Blanes mit dem Wohnmobil: 666 Stufen zur Burg, Nebel und ein verpasster Fischmarkt

Blanes ist der erste Ort der Costa Brava, wenn du von Süden kommst. Wir sind am 2. Februar 2026 spontan dort gelandet – bei Regen, weil uns das Wetter aus Palamós vertrieben hatte. Am nächsten Morgen stand die Sonne über dem Meer. Dieser Bericht erzählt beide Tage: den Aufstieg über 666 Stufen zum Castell de Sant Joan, die Fischauktion, die wir verpasst haben, und warum es mit dem Freistehen an einem Montag nichts wird.
Blanes in Kürze
Warum wir spontan nach Blanes gefahren sind
Der Morgen in Palamós war nass. 11 Grad, Regen, und der Blick aufs Meer, für den wir am Vorabend auf die oberste Terrasse gefahren waren, war einfach weg. Wir hatten dort gut gestanden – wie gut, steht im Stellplatzbericht zu Palamós –, aber bei dem Wetter noch einen Tag bleiben? Nein.
Also sind wir am späten Vormittag los. Eigentlich Richtung Barcelona, eigentlich weiter nach Valencia, wo es am nächsten Tag besser werden sollte. Auf dem Weg fiel uns Blanes ein. Wir waren da schon mal, und beim letzten Mal hatten wir die Burg oben auf dem Berg verpennt. Die wollten wir nachholen.
Für uns lag es genau richtig: knapp eine Stunde von Palamós, und trocken sollte es bis 18 Uhr bleiben.
Ankunft: Mit dem Freistehen wurde es nichts

Gegen eins waren wir in Blanes und haben erst einmal das gemacht, was wir immer machen: eine Runde gedreht und nach einem Platz gesucht, an dem man frei stehen kann. Ergebnis: nichts. Alle Parkplätze an der Promenade voll, keine Lücke.
Der Grund war banal, und wir haben ihn erst am nächsten Morgen kapiert: Montag ist in Blanes Markttag. Der Wochenmarkt läuft am Passeig Cortils i Vieta, laut Marktverzeichnis von 9 bis 14 Uhr. Wir sind also genau in der Stunde angekommen, in der halb Blanes ein Auto abgestellt hatte.
Also Campingplatz. Wir haben eine Doppelparzelle in der ersten Reihe bekommen, direkt hinter dem Zaun zum Strand. Reserviert hatten wir nicht – um diese Jahreszeit ist der Platz ziemlich leer, das war kein Problem. Bezahlt haben wir 30,82 Euro für die Nacht, Strom inklusive.
Ehrlich gesagt kam uns das viel vor. Wir sind eigentlich Freisteh-Fans, und für die Nebensaison ist das ein stolzer Preis. Für die Lage war es trotzdem in Ordnung – du gehst durchs Tor und stehst im Sand. Ein Schnäppchen ist es nicht.
Der Nachtrag, der eigentlich der wichtigste Teil ist
Am nächsten Morgen sah die Sache anders aus. Als wir abends zurück zum Platz gelaufen sind, war an der Promenade nichts mehr los – und weiter vorne standen tatsächlich Camper frei, mit Blick aufs Meer. Die Parkplätze dort sind, soweit wir es gesehen haben, nur bis September kostenpflichtig.
Unser Tipp, wenn du im Winter nach Blanes willst: Komm montags nicht mittags an. Früher oder später am Tag sollte Freistehen klappen. Wir haben es schlicht verkackt.
Wie das mit dem Freistehen in Spanien rechtlich aussieht, haben wir im Ratgeber Freistehen in Spanien: die neuen DGT-Regeln 2026 aufgeschrieben.
Sa Palomera: Hier fängt die Costa Brava an
Vom Campingplatz sind es zu Fuß knapp zwei Kilometer am Strand entlang bis zu dem Felsen, der aus dem Meer ragt und Blanes in zwei Buchten teilt: Sa Palomera. Auf dem Steinband vor dem Aufgang steht in Eisenbuchstaben BLANES, PORTAL DE LA COSTA BRAVA. Hier beginnt sie offiziell.
Es hat geregnet. Eva ist trotzdem hoch, über den gepflasterten Weg auf die Felsnase, oben weht die katalanische Flagge. Wir waren die Einzigen. Das ist der eine Vorteil, den so ein Tag hat.
Am Strand darunter liegen ein paar alte Holzboote, rot-weiß und weiß-blau, mit Planen abgedeckt, die Ketten im Sand.



Die Promenade, wenn niemand da ist
Der Markt war vorbei, die Stände abgebaut, das Pflaster noch nass. Und plötzlich sieht man die Sachen, an denen man im Sommer vorbeiläuft, weil zu viele Leute im Weg stehen.
Eine Bronzefigur sitzt auf einer Bank am Wasser und liest in einem Buch. Das ist Carl Faust (1874–1952), deutsch-spanischer Unternehmer und Botaniker, der sich in Blanes niedergelassen und den botanischen Garten Marimurtra gegründet hat. Die Stadt hat ihm 2007 dieses Denkmal gesetzt, lebensecht in Bronze. Den Garten selbst haben wir diesmal nicht besucht.

Ein paar hundert Meter weiter vier schwarze Silhouetten aus Eisen: zwei Tanzpaare, die Sardana tanzen, Hand in Hand, die Röcke im Wind. Nicht weit davon eine zweite Gruppe: eine ganze Kapelle als Scherenschnitt, mit Trompete, Kontrabass und allem.
Und dann zwei alte Kanonen, die auf einer halbrunden Terrasse Richtung Meer zeigen. Eva hat sie sich aus der Nähe angeschaut.


666 Stufen zum Castell de Sant Joan
Die Burg – genauer: das Schloss, wie wir uns oben selbst korrigiert haben – liegt auf dem Hausberg von Blanes, rund 162 Meter über dem Meer. Von der Altstadt führt eine Treppe hinauf, eine richtige: schmale Gassen, Natursteinstufen, zwischen Mauern durch, an Häusern vorbei, immer bergauf.
Irgendwann hieß es: noch 500 Meter. Das klingt nach nichts. Es sind aber 500 Meter bergauf.
Von Blanes bis hoch zum Castell sind es insgesamt 666 Stufen. Wir haben eine gute halbe Stunde gebraucht und waren viel zu warm angezogen. Zwei Jogger sind an uns vorbeigezogen, deutlich fitter als wir. Tyson war dabei.
Oben: der runde Bergfried aus Bruchstein, laut Tourismusverband der Costa Brava rund 15 Meter hoch, daneben Mauerreste mit einem großen Durchbruch, durch den man auf die Bucht schauen kann. Auf dem Turm die katalanische Flagge im Wind.
Und sonst: Nebel. Massiver Nebel. Die Aussicht, wegen der wir hochgelaufen sind, gab es nicht. Man hat gerade noch die Bucht geahnt, die Stadt lag unter einer Wolke. Wir haben uns schlicht den falschen Tag ausgesucht. Das gehört in so einen Bericht genauso rein wie die schönen Bilder.




Praxis-Kasten: Musst du laufen?
Nein. Soweit wir gesehen haben, kann man auch mit dem Auto hochfahren. Laut climbfinder sind es 1,3 Kilometer mit knapp 10 Prozent Steigung im Schnitt und zwei Kehren. Wir sind die Strecke nicht gefahren und können deshalb nicht sagen, ob das mit dem Wohnmobil sinnvoll ist.
Die halbe Stunde zu Fuß kann man investieren. Und wenn du oben Sicht haben willst – geh bei klarem Wetter. Wir wissen jetzt, warum.
Der Mirador auf dem Rückweg
Beim Abstieg kommst du an einem Aussichtspunkt über dem Hafen vorbei, und da hat sich der Nebel dann doch ein Stück gehoben. Unter uns der Hafen, dahinter die ganze Bucht von s’Abanell.
An der Mauer blühte eine Bougainvillea in Pink – Anfang Februar.


Die Fischauktion – und wie wir sie verpasst haben
Blanes hat einen echten Fischereihafen, keinen dekorativen. Und der hat eine Auktionshalle, die Llotja. Dort wird der Fang versteigert, den die Boote am Nachmittag hereinbringen.
Wichtig zu wissen: Du kannst dort nichts kaufen. Laut der Fischerzunft von Blanes gibt es montags bis freitags zwei Auktionen am Tag, und mitbieten dürfen nur Profis – Fischhändler, Restaurants, Großhändler. Zuschauen darf man; die Zunft bietet dafür auch Führungen an.
Uns hatte morgens ein netter Herr am Hafen gesagt, es reiche locker, wenn wir um 17 Uhr da seien. Wir waren um kurz nach fünf da – und das ganze Spektakel war vorbei. Gefühlt ging es schon gegen 16 Uhr los, und dann war zack, zack alles durch. Die Halle war leer. Die Sitzreihen der Käufer: leer. Die Wannen: leer. Draußen auf dem Asphalt stand noch eine blaue Kiste mit einem einzelnen Seeteufel darin, und das war alles, was wir von der Versteigerung mitbekommen haben.
Wenn du das sehen willst: Plan mit 16 Uhr oder früher und frag am besten direkt bei der Confraria nach der Uhrzeit. Wir haben uns auf eine mündliche Auskunft verlassen und den Moment verpasst.

Abends: Bier, Heizpilz und ein fremder Hund
Nach dem Abstieg gab es erst mal ein Belohnungsbier im Restaurant Club Vela Blanes am Hafen. Später sind wir ins Ultramarins Tarambana direkt am Meer, mit Fensterfront aufs Wasser und Sa Palomera im Bild. Heizpilz an, Holzboden, draußen ging langsam das Licht aus.
Und dann lag plötzlich ein fremder Hund neben Eva, ein großer, heller Kerl, und ließ sich in aller Ruhe kraulen. Hunde im Lokal sind hier offensichtlich kein Thema.
Tyson war übrigens beim Aufstieg dabei, auf allen 666 Stufen. Abends im Camper lag er dann tief und fest auf seinem Kissen.



Tag 2: derselbe Ort, ein völlig anderer Ort
Am Dienstag sind wir früh raus. Nicht besonders früh – die Sonne geht hier im Februar erst gegen acht auf, da muss man niemanden quälen.
Und dann stand da ein Himmel, der mit dem Vortag nichts mehr zu tun hatte. Klar, orange am Horizont, 16 Grad. Die Promenade fast leer, am Strand kein Mensch. Tyson ist auf der Strandmauer entlangbalanciert, die Sonne kam direkt von vorne. Hunde am Strand sind im Februar hier kein Thema, solange die Leine dran bleibt und du die Hinterlassenschaften mitnimmst. Robert hat die Drohne hochgeschickt, und Eva hat auf der Mauer gefrühstückt, das Meer als Tisch.
Das ist der eigentliche Grund, warum wir Blanes zwei Tage gegeben haben, auch wenn wir es vorher nicht wussten: Das Wetter an der Costa Brava dreht im Winter innerhalb eines Tages komplett. Wer nur den Montag gesehen hat, hat einen grauen Ort gesehen. Wer bis Dienstag geblieben ist, hat gesehen, warum hier im Sommer so viel los ist.




Blanes im Video
Im Video zu dieser Etappe siehst du Blanes an beiden Tagen, im Regen und in der Sonne – mit dem Aufstieg zur Burg und der leeren Auktionshalle. Blanes beginnt ab Minute 5:28.
Die Karte: wo wir überall waren
Die Nummern auf der Karte gehören zu diesen Stationen. Ein Klick auf eine Nummer oder einen Namen bringt dich zum passenden Abschnitt. Die Uhrzeiten stammen aus den Zeitstempeln unserer Fotos.
- Camping Blanes – unsere Basis in der ersten Reihe am Strand (Mo, 13:15 Uhr)
- Sa Palomera – der Felsen am „Portal de la Costa Brava“ (13:35 Uhr)
- Promenade – Carl Faust, Sardana-Tänzer, Kanonen (13:50 Uhr)
- 666 Stufen – durch die Altstadt nach oben (15:15 Uhr)
- Castell de Sant Joan – oben Nebel statt Aussicht (15:30 Uhr)
- Mirador – Blick über Hafen und Bucht (15:40 Uhr)
- Club Vela Blanes – Belohnungsbier am Hafen (16:20 Uhr)
- Fischauktion (Llotja) – um 17 Uhr schon vorbei (17:15 Uhr)
- Ultramarins Tarambana – der Abend direkt am Meer (17:45 Uhr)
- Sonnenaufgang an der Promenade von s’Abanell – Tag 2 (Di, 7:40 Uhr)
Unser Stellplatz: Camping Blanes
Für eine Nacht direkt am Strand – für die Nebensaison nicht billig, aber die Lage passt.
- Preis: 30,82 € für eine Nacht, Doppelparzelle in der ersten Reihe, Strom inklusive
- Reservierung: nicht nötig – im Februar war der Platz ziemlich leer
- Lage: direkt am Strand von s’Abanell, ein Tor und du stehst im Sand; bis Sa Palomera knapp zwei Kilometer zu Fuß
- Untergrund: Sand, Pinienwald
- Sanitär: Duschen und Toiletten, Rezeption bis etwa 19 Uhr besetzt
- Ver- und Entsorgung: auf dem Platz vorhanden
- Hund: erlaubt
- Achtung: Der Platz steht voll mit alten Pinien, fast jede Parzelle hat einen Baum, die Wege sind eng. Beim Rangieren gut aufpassen – da hat sicher schon mancher seinen Blinker gelassen.
Unser Fazit
Blanes lohnt sich auch im Winter – aber nicht als Halbtagsstopp. Der Ort hat mehr als eine Promenade: einen echten Fischereihafen, eine Burg mit Aussicht, eine Altstadt mit Treppengassen und einen Strand, der im Februar dir allein gehört.
Was wir mitnehmen: Für die Burg brauchst du Sicht. Wir hatten keine. Bei klarem Himmel muss die Aussicht von oben stark sein – wer in der Nähe ist, sollte hochgehen.
Und: Ein Tag reicht, um Blanes zu sehen. Zwei Tage brauchst du, um Blanes einzuschätzen. Wir hätten nach dem Montag geschrieben, der Ort sei grau. Nach dem Dienstag wissen wir, dass das nur das Wetter war.
Weiter ging es für uns Richtung Süden: Zwei Tage später sind wir in L’Ametlla de Mar zufällig mitten in die Kerzenprozession der Candelera geraten. Die ganze Anreise steht im Beitrag Mautfrei nach Spanien, alle Plätze der Reise auf unserer Stellplätze-Seite. Alles zu Spanien mit dem Wohnmobil sammeln wir auf unserer Seite Spanien.
Häufige Fragen
Kann man in Blanes mit dem Wohnmobil freistehen?
Wir haben es am Montagmittag versucht und keinen Platz gefunden – an dem Tag ist Wochenmarkt und alles ist zugeparkt. Am Abend und am nächsten Morgen standen an der Promenade mehrere Camper frei. Die Parkplätze dort sind nach unserer Beobachtung nur bis September kostenpflichtig. Komm also nicht ausgerechnet Montagmittag.
Wie kommt man zum Castell de Sant Joan?
Zu Fuß über eine Treppe aus der Altstadt: insgesamt 666 Stufen, eine gute halbe Stunde, teilweise steil. Alternativ kann man, soweit wir gesehen haben, mit dem Auto hochfahren – laut climbfinder 1,3 km mit knapp 10 Prozent Steigung. Ob das mit einem großen Wohnmobil sinnvoll ist, können wir nicht sagen – wir sind gelaufen.
Lohnt sich Blanes im Winter?
Ja, wenn du Ruhe magst. Wir waren an beiden Tagen fast allein unterwegs, am Castell überhaupt allein. Bei Regen ist der Ort schnell erzählt, bei Sonne ist der Strand ein Argument für sich.
Wann ist die Fischauktion in Blanes?
Laut der Fischerzunft von Blanes gibt es von Montag bis Freitag zwei Auktionen täglich. Uns wurde vor Ort gesagt, 17 Uhr reiche locker – um kurz nach fünf war schon alles vorbei. Losgegangen ist es gefühlt gegen 16 Uhr. Kaufen dürfen dort nur Händler, Restaurants und Großhändler; für Besucher gibt es Führungen.
Darf der Hund an den Strand von Blanes?
Im Februar war das kein Thema. Hunde am Strand werden um diese Jahreszeit geduldet, viele Spanier gehen dort mit ihren Hunden spazieren, und bei den leeren Stränden sagt niemand etwas. Voraussetzung: Der Hund bleibt an der Leine, und du nimmst die Hinterlassenschaften mit. Die offizielle Regelung der Gemeinde haben wir nicht nachgelesen – im Sommer sieht es an spanischen Badestränden meist anders aus.
Was kostet der Campingplatz in Blanes im Februar?
Wir haben im Februar 2026 für eine Doppelparzelle in der ersten Reihe 30,82 Euro für eine Nacht bezahlt, Strom war drin. Reserviert hatten wir nicht – um diese Jahreszeit ist der Platz ziemlich leer. Unsere Einschätzung: für die Nebensaison happig, dafür ist die Lage direkt am Strand stark.
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